Schockierend? Nein, ehrlich!

Ich finde dieses Bild sehr gut gelungen. Abgesehen davon, dass die künstlerische Gestaltung mich sehr anspricht, zeigt es sehr schön die zwei Seiten, wie das Erbrechen von einer Essgestörten wahrgenommen wird: Die Härte der pinken Linien, die das Erbrochene darstellen, stehen in direktem Gegensatz zu den Schmetterlingen, deren Gestalt ganz klar von Rundungen geprägt ist. Zudem fliegen die Schmetterlinge nach oben, weg von der "Dunkelheit" der Kloschüssel. Wenn man nun wiederrum das Erbrechen in die Dunkelheit der Klosschüssel als "dunkle Seite der Essstörung" sieht, als alles, was verdrängt, ja weggespült wird, so verkörpern die Schmetterlinge im Gegensatz die positive Haltung der Essgestörten zum Akt des Erbrechens, der als notwendig, aber auch als befreiend und entspannend angesehen wird. Ebenfalls gelungen finde ich die Auswahl der Farben: obwohl ein sehr kräftiges Pink gewählt wurde, hat das Bild eine eher düstere Atmosphäre, die vor allem aus dem leeren Gesichtsausdruck der abgebildeten Person resultiert. Zudem nimmt die Person eine ganz bestimmte Haltung ein, die dem Betrachter die "Erniedrigung" bzw. "Demütigung" der eigenen Person zeigt, die die Essgestörte während und/oder vor dem Erbrechen spürt. Dieser Eindruck entsteht zum einen durch die Paralellität des Gesichts zur Klobrille, sowie die Haltung der Hände, die sich an die Klobrille zu klammern scheinen.

3 Kommentare 26.8.08 21:30, kommentieren

- Ohne Titel -

Wir sind ihr stets zu Diensten
Bedingungsloser Untertan
Wir fragen nicht
Wir handeln
Blind folgen wir im Wahn.

Sektengleich lobpreisen wir
Ihr elfenhaftes Sein
Vergöttern sie
Beschönigen
Den tödlichen Verein.

Schönheit ist das Ziel
Das zu erreichen ist
Kein Preis zu hoch
Nichts wichtiger
Doch bald endet die Frist.

Der Lobgesang kann nicht verdecken
Was uns’re Göttin tut.
Sie macht uns krank
Sie tötet uns
Mit unsrer eig’nen Wut.

Die Angst vorm Leben säht den Hass
Auf uns und auf die Welt
Ein Schnitt, ein Schrei
Ein Hilferuf
Und alles wir vergellt?

Vielleicht in einem Traum
Den sie aufrecht erhält
Die Scheinwelt
Ihre Wirklichkeit
Ist alles was noch zählt.

Der jüngste Tag wird kommen
Schönheit hat ihren Preis
Schmerz und Tränen
Lodern hell
Und bald schließt sich der Kreis.

Wir beten immer noch zu ihr
Und halten ihr die Treue
Wann fing es an
Zur Last zu werden?
Ich weiß, dass ich bereue

Nicht Liebe hält mich bei ihr fest
Es ist die Angst vor mir
Vor Einsamkeit
und Aufgeben
Vor Schwäche und vor ihr.

Zu stark ihr fester Klammergriff
Der meine Seele bindet
Zu groß die Sucht
Der Zwang befiehlt
Ob jemand sein Glück findet.

Doch was ist Glück, was wollen wir?
Schönheit? Liebe? Ruhm?
Ist es denn wert
Für diesen Gott
Sein Leben zu vertun?


©Liz Larooth January 5th 2007

26.8.08 19:48, kommentieren

Anti-ES-Gedicht

Sie erbrechen oder verweigern das Essen.
Vergibt ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun?
Sie wissen genau was tun:
Wissen ist Macht
Und Macht ist alles.
Sie wollen absolute Macht
Über sich und ihren Körper
Aber Macht verdirbt
Und absolute Macht
Verdirbt absolut.

Du denkst du wärst stark?
Weil du kotzt
Weil du hungerst
Weil du ritzt
Gleich dich selber verletzt?

Du denkst du hättest Macht?
Weil du keine Hilfe annimmst
Weil du die Möglichkeiten ignorierst
Weil du es nicht wahrhaben willst
Gleich dich selber verletzt?

Du denkst du wärst im Recht?
Weil du weiter machst
Weil du mich übergehst
Weil du eitel deine Wunden leckst
Gleich dich selber verletzt?

Du dummes Ding!
Das ist nicht stark!

Stark wäre:
Darüber zu reden
Darüber zu weinen
Darüber zu streiten

Macht wäre:
Es ändern
Es in die Hand nehmen
Es auszudiskutieren

Im Recht wärst du, wenn du:
Die Hilfe von mir annimmst
Die Hilfe von allen annimmst
Die Hilfe von dir selber annimmst.

Wer schön sein will muss nicht leiden.
Wer schön sein will muss nicht dünn sein.
Wer schön sein will muss nicht hungern.
Wer schön sein will muss nicht kotzen.
Wer schön sein will muss nicht einem Schönheitsideal nacheifern.

Wer schön sein will muss essen.
Wer schön sein will muss Liebe empfinden für seinen Körper.
So wie er ist.

Autor unbekannt

1 Kommentar 26.8.08 19:47, kommentieren

How to act like Ana!

Dies ist, anders als die Überschrift vermuten lässt, (die ich jedoch bewusst so gewählt habe...) keine Anleitung wie man sich wie eine echte "Ana" verhält, sondern vielmehr eine Auflistung all jener Regeln, Verhaltensweisen und Qualen, denen man sich als Essgestörte tagtäglich unterwirft:


Beispiele für anormale Energiezufuhr:

- Hunger

- Light-Produkte

- Babynahrung

- ausschließlich kalorienfreie Getränke

- zuckerfreie Bonbons/Kaugummis

- Verzehr einer festgelegten Menge pro Tag

- Mahlzeiten weglassen

- Unterteilung von Lebensmittel in gut und schlecht

- sehr schnelles oder langsames essen

- zu ganz bestimmten Zeiten essen bzw. nicht essen

- extrem heiße/kalte/gewürzte Nahrungsmittel essen


Beispiele für Energieverbrauch:

- Einnahme von Abführ-/Entwässerungsmitteln

- exzessiv Sport treiben

- vieles im Stehen erledigen (z.B. lesen, essen, ...)

- besondere Bewegungsdrang nach Nahrungsaufnahme

- absichtlich frieren

- häufiges Muskelanspannen

- Umwege nehmen

- Vermeidung von Rolltreppen/Aufzügen

- Schlafentzug

- schwere Taschen mitnehmen

- kalt duschen

 

Weitere typische Verhaltensweisen:

- heimlich essen

- nicht vor den anderen essen

- Essen vortäuschen

- Essen verschwinden lassen

- immer etwas übrig lassen

- sehr kleine Portionen essen

- in einem bestimmten Zeitraum nur bestimmte Nahrungsmittel verzehren

- Lebensmittel sehr klein schneiden

- an der Nahrung riechen

- Essen immer weiter nach hinter verschieben

- Getränke löffeln

- Hunger "wegtrinken"

- Mahlzeiten celebrieren

- nur von kleinem Geschirr essen

- exakte Planung von Mahlzeiten und Tagesabläufen

- genaues Kaloriezählen

 

Forsetzung folgt...

3 Kommentare 26.8.08 19:43, kommentieren